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  Aktiv und kreativ im Ruhestand - Herbert Schmidt vom Senioren-Internetcafé Würzburg

Dienstag, 08.05.2001 - Forum 55

"Von 100 auf Null - das geht nicht"

WÜRZBURG/WINDHEIM Herbert Schmidt (64) war erst Werkzeugmacher und später Prokurist. Seit Januar lebt er, wie er sagt, im "Unruhestand".

 

 VON TRAUDL BAUMEISTER

 
Herbert Schmidt begleitet Margarete Pommerening, eine regelmäßige Besucherin im Internetcafé, bei den ersten Surfversuchen. Die beinahe 80-Jährige suchte im weltweiten Netz unter anderem nach Verwandten in Amerika.

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"Wissen Sie: Wenn man in so einer Position war wie ich, dann kann man nicht von heute auf morgen einfach aufhören.", sagt Herbert Schmidt, Leiter und Ini-
tiator des Senioren-Internetcafés in Würzburg. "Auf den Ruhestand musste ich mich deshalb vorbereiten. Ich hatte ja das Glück, das ich das konnte, weil ich freiwillig aus dem Arbeitsleben ausschied und nicht, wie viele andere, von heute auf morgen ,gegangen' wurde."

Schon zu Zeiten als er noch seiner täglichen Arbeit nachging, begann Schmidt mit ganz konkreten Vorbereitungen auf die Zeit danach. Seine Idee: Senioren das neue Medium Internet nahe bringen.

Erste Kontakte entstanden im Frühjahr 1999, als Bundespräsident Roman Herzog unter dem Motto "ein Leben lang lernen" den Wahlspruch ausrief: "Senioren ans Netz". Umgesetzt wurde diese Idee von der Telekom unter dem Titel: "Aktiv im dritten Lebensabschnitt: Kontakte knüpfen". Schmidt, der auf dieser neuen Welle mitschwamm, lernte per Chat und E-Mail eine Menge Leute kennen, die ähnliche Ziele hatten wie er, die ebenfalls darauf aus waren, dieses neue Medium für sich zu erfahren und zu nutzen.

"Im Herbst ging es dann nicht mehr so recht weiter mit dem Projekt der Telekom", erinnert sich der gelernte Werkzeugmacher, der nach der Ausbildung in seiner Heimatstadt Berlin Fertigungstechnik studierte.

Daraufhin schlossen sich Schmidt und die Mitstreiter, die er mittlerweile im weltweiten Netz gefunden hatte, einem Internet-Seniorentreff an. "Es war eine lose Verbindung Gleich- Interessierter, die sich da im Internet zusammengefunden hatte", erzählt Schmidt.

Nach und nach nahm in diesem Kreis die Idee des Internetcafés Gestalt an. Erste Zeitungsartikel über das Vorhaben taten das Ihre dazu und schließlich wurde auch die Stadt Würzburg auf die Gruppe aufmerksam. Vor einem Jahr eröffnete dann das Senioren-Internetcafé im Würzburger Ehehaltenhaus. Heuer zogen die acht Computer nun um ins Caritas-Seniorenzentrum am Ludwigskai.

Doch die Internetfans sind noch längst nicht zufrieden. "Wir wollen das Netz weiter ausbauen und möglichst überall Internetcafés eröffnen", spricht Schmidt von dem Traum an dessen Verwirklichung er kräftig arbeitet. Denn immerhin eröffnete vergangene Woche ein Café in Ochsenfurt. In Marktheidenfeld und Schweinfurt ist man ebenfalls schon in Planung.

Wobei Schmidt noch einmal betont, dass alle Helfer ehrenamtlich, unentgeltlich und ohne kommerzielle Hintergedanken arbeiten. Mindestens im nächsten Jahr will er selbst noch viel Zeit ins Café stecken und vielen Altersgenossinnen (die meisten Besucher sind weiblich) das weltweite Netz nahe bringen.

Doch für später hat er bereits das nächste Ziel im Kopf. Dann will er als "Business Angel" sein langjähriges Wissen über Projektmanagement an junge Existenzgründer weitergeben und so den Unruhestand weiter pflegen. Denn, wie er sagt: "Die Aktivität von 100 auf Null zurückfahren, das geht einfach nicht."

Homepage: http://www.seniorentreff.de/wuerzburg